Abends in den Zug einsteigen und morgens ausgeruht und mitten in der Stadt ankommen – das Konzept von Nachtzügen hat mich schon länger begeistert. Aber ist es wirklich so entspannt, wie ich es mir vorstelle? Das wollte ich nun endlich mal ausprobieren und erzähle euch in diesem Beitrag von meiner ÖBB Nightjet Erfahrung von München nach Brescia.
Meine Erfahrungen mit dem ÖBB Nightjet

Ein bisschen aufgeregt bin ich schon, als ich mich gegen 20 Uhr auf den Weg zum Gleis 11 am Münchener Hauptbahnhof mache. Über die Jahre bin ich zu einem wahren Flug-Profi geworden, weiß, wie ich mein Handgepäck packe, wie ich schnell durch den Security Check komme und was ich für einen angenehmen Flug benötige. Mit dem ICE bin ich zwar schon oft durch Deutschland gefahren, aber immer nur tagsüber. Ich überlege also nervös, ob ich an alles gedacht habe und suche meinen Waggon 289.
Mein Ziel ist heute die norditalienische Stadt Brescia. Warum Brescia? Weil Italien immer eine gute Idee ist und ich gehört hatte, dass die Stadt noch ein echter Geheimtipp ist. Und das ist sie wirklich, aber dazu später mehr.

Nightjet Schlafwagen: Platzwunder mit kleinen Hindernissen
Beim Einsteigen fällt mir eine Sache schon mal auf, mein Koffer ist ganz schön sperrig für die schmalen Gänge. Dieser Eindruck bestätigt sich, als ich schließlich vor meinem Abteil stehe. Ich habe ein Bett in einem normalen 3-er Schlafabteil gebucht (es gibt auch Deluxe Abteile, die etwas größer sind) und bin dann doch etwas überrascht, wie klein das Abteil ist. Ich habe auf dieser Fahrt nur eine Mitreisende, die bereits da ist und zusammen überlegen wir, wo wir eigentlich nun unser Gepäck verstauen sollen, denn Platz dafür gibt es eigentlich keinen.

Irgendwie finden wir dann einen Weg, sind froh, dass wir nur zu zweit sind und ich merke mir für zukünftige Fahren: nur noch mit Reiserucksack oder -tasche zu reisen.
ÖBB Nightjet Erfahrung: Top Preis-Leistungsverhältnis
In der Kabine steht für jeden Reisenden eine kleine Begrüßungstasche bereit, gefüllt mit einer Wasserflasche, Schlappen, Ohrstöpseln, einem kleinen Handtuch und Desinfektionstüchern. Von der Zugbegleiterin, die schon bald an unsere Tür klopft, werden wir zudem zu einem Prosecco eingeladen. Ich staune nicht schlecht! Mit der Zugbegleiterin klären wir auch die Uhrzeit für den Weckservice und welches Heißgetränk wir zum Frühstück haben möchten. Aufgrund der italienischen Coronabestimmungen erhält man bei Reisen nach Italien kein Frühstück im Abteil, sondern nur ein abgepacktes Frühstück zum Mitnehmen. Auch das Frühstück ist im Preis inklusive. Für mein Ticket (Hin- und Rückfahrt) habe ich übrigens knapp 170€ bezahlt.

Nachdem ich Freunde und Familie über die ersten Eindrücke informiert hatte (die Neugier war groß) stattete ich dem Bad auf dem Gang noch einen Besuch ab. In unserer Kabine ist zwar auch ein Waschbecken, das ist aber vom Gepäck zugestellt, außerdem kann ich mir so noch mal etwas die Beine vertreten.

Zurück in der Kabine, machte ich es mir auf meinem Bett (das Oberste) bequem. Und bequem ist es tatsächlich, inklusive Bettlaken, -decke und Kissen. Nur etwas eng ist es, was mit meinen 1,72 Metern kein Problem ist, für (noch) größere Menschen (>1,80) kann es aber glaub ich etwas schwierig werden.

Nightjet Erfahrung: Das Problem mit den alten Zügen
Irgendwann beschließen wir dann, das Licht auszuschalten und mir fallen dann auch schon bald die Augen zu. Das Schaukeln des Zuges finde ich ganz angenehm, was ich nicht so angenehm finde, ist der Lärm. Als die Deutsche Bahn ihren Nachtzug-Betrieb in den 90er-Jahren eingestellt hat, hat die ÖBB den Betrieb übernommen, inklusive der Züge. Diese wurden zwar etwas aufgehübscht, sind aber trotzdem 30, 40 Jahre alt. Entsprechend schlecht isoliert sind sie, kein Vergleich zu den leisen ICEs. Auch die Ohropax können die Fahrgeräusche nur minimal dämpfen und ich ärgere mich, dass ich keine Kopfhörer eingepackt habe. Mein Schlaf gleicht also eher einem Dämmerschlaf, der bei zukünftigen Nachtzugfahrten auf jeden Fall optimiert werden muss.
Weckservice mit Frühstück
Um 6 Uhr morgens klopft die Zugbegleiterin dann an meine Tür und händigt mir meinen Kaffee und den Frühstücksbeutel aus. Meine Mitreisende ist schon eine Stunde früher ausgestiegen, das habe ich aber kaum mitbekommen, ich habe also doch etwas geschlafen 🙂 Der Frühstücksbeutel ist gefüllt mit einem Croissant, Brotscheiben, Marmelade, Butter, einem Orangensaft und einer Wasserflasche.
Ankunft im morgendlichen Brescia
Um Viertel vor 7 steige ich aus dem Zug und bin mitten in Brescia. Die Stadt wacht gerade erst auf, ich suche mir also erst mal eine Bar und bestelle mir ein zweites kleines Frühstück, natürlich ganz italienisch mit einem Espresso und einem Cornetto.

Wie nachhaltig ist eine Fahrt im Nachtzug?
Auf beiden Fahrten habe ich insgesamt 309,5 kg CO2 eingespart (im Vergleich zu einer Autofahrt). Die ÖBB wirbt damit, dass der Strom für Züge und Bahnhöfe zu 100 % aus erneuerbaren Energien kommt. Dies gilt aber, denke ich, für Österreich, wie das bei Fahrten ins Ausland ist, wird jedoch nicht angegeben, bzw. ich habe die Info nicht gefunden.
Nichtsdestotrotz macht das auf jeden Fall schon mal ein gutes Gewissen. Meiner Meinung nach sollte aber zukünftig überlegt werden, wie auch die Plastikverpackungen reduziert werden können. Denn diese sind beim Amenity Kit und Frühstück doch enorm.
Ich habe mir ein Zimmer in einem B&B mitten im Zentrum gebucht, wo ich aber erst ab 14 Uhr einchecken kann. Mit der netten Gastgeberin Veronica hatte ich abgesprochen, dass ich schon morgens meinen Koffer abstellen kann. Nachdem das erledigt ist, begebe ich mich auf Erkundungstour durch Brescia. Wie es mir dort gefallen hat, erzähle ich euch in diesem Beitrag.
Das Fazit meiner ersten Nightjet Erfahrung
Meine Schlafqualität kann definitiv noch optimiert werden, aber es ist auch nicht jeder so geräuschempfindlich. Mir hat meine Nightjet Erfahrung auf jeden Fall gut gefallen und ich kann nur weiterempfehlen. Auch wenn eine Fahrt mit dem Nachtzug von München nach Brescia natürlich wesentlich länger dauert als mit dem Flugzeug (der nächste Flughafen wäre Verona), gewinnt man meiner Meinung nach eher Zeit dazu. Man muss nicht erst zum Flughafen fahren (der meistens außerhalb liegt), muss keine Zeit für Check-in, Security Check und Co einplanen, sondern „landet“ direkt im Zentrum der Stadt.
Ich hatte das Glück, dass ich auf der Rückfahrt nach München mein 3er-Abteil ganz für mich allein hatte und das ist eine weitere Erkenntnis für mich: bei zukünftigen Fahrten würde ich etwas mehr Geld in die Hand nehmen und gleich eine Einzelkabine buchen. Die Kabinen sind schon sehr beengt und gerade in Zeiten von Corona dann doch etwas zu eng, um eine Nacht mit fremden Menschen auf engsten Raum zu verbringen – trotz 3G-Regel und guter Lüftung.

Danke fürs virtuelle Mitnehmen auf deine nächtliche Zugfahrt. Das war spannend zu lesen. Da ich leider einen sehr leichten Schlaf habe, käme so eine Fahrt über Nacht für mich nicht infrage, denn ich würde mit Sicherheit dabei kein Auge zu tun und wäre am nächsten Morgen entsprechend k.o.
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Hi 🙂 freut mich, dass dir der Beitrag gefällt! Ich werde beim nächsten Mal Kopfhörer mitnehmen, glaub das wird meinen Schlaf verbessern 🙂
Viele Grüße
Claudia
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