Ich hatte letztens eine Diskussion mit einem überzeugten Bahn-Hasser, warum es sich lohnt, das Auto für die Bahn stehenzulassen, oder eben nicht. Es ging um die Strecke München – Wiesbaden. Hier hatte er sich tatsächlich mal für die Bahn entschieden und es gleich bereut. Bei der Hinfahrt als auch bei der Rückfahrt gab es Verspätungen, zudem war es a****kalt auf dem Bahnhof, dann war auch noch das Bord-Bistro geschlossen, das Ticket war eh teuer und, und, und. All seine Vorurteile wurden also sogleich bestätigt. Hätte er bloß das Auto genommen. Damit ist man ja eh viel schneller, viel flexibler und überhaupt.
Warum Bahnfahren die bessere Alternative ist
Nun ist es ja so, dass man einen Bahn-Auto-Vergleich nur im direkten Vergleich machen kann. Auch bei Autofahrten läuft nicht immer alles glatt (gerade auf den Autobahnen gibt es ja doch ab und zu mal einen Stau) und bei der Bahn läuft auch nicht immer alles schief. Und damit das Ganze auch wirklich aussagekräftig ist, müssen für einen Vergleich nicht nur eine Fahrt, sondern ganz viele miteinander verglichen werden. Und das auch an unterschiedlichen Wochentagen und Uhrzeiten. Leider gibt es so eine Studie noch nicht, oder ich konnte sie nicht finden, interessieren würde mich das Ergebnis auf jeden Fall.

Doch selbst wenn bei so einem Vergleich herauskommen würde, dass Bahnfahrten tatsächlich im Schnitt schneller sind, überzeugt man einen leidenschaftlichen Bahn-Hasser damit wahrscheinlich trotzdem nicht. Letztendlich kommt es auf die persönliche Einstellung an. Ist man bereit, die vielen Vorteile des Bahnfahrens anzuerkennen oder nimmt man jede Zugverspätung als Beweis dafür, dass Bahnfahren einfach keine Alternative ist. Und lässt dabei die vielen Stunden im Stau außer Acht, die man schon auf Deutschlands Autobahnen vergeudet hat.
Schienennetz-Ausbau: Da geht noch mehr
Das heißt natürlich nicht, dass der Status quo gut ist. Deutschlands Schienennetz muss dringend überarbeitet und ausgebaut werden. Es bekümmert mich extrem, wenn ich lese, dass sich der Schienennetz-Ausbau um Jahrzehnte verzögert, weil zu wenig investiert wird. Und das bei einer Regierung mit grüner Beteiligung.
Deshalb aber gleich alles verteufeln kommt für mich nicht infrage, denn die Vorteile des Bahnfahrens überwiegen für mich deutlich. Da wäre zum Beispiel der Klimaschutz. Dieses Jahr war ich bis jetzt insgesamt 18 Mal im Bahn-Fernverkehr unterwegs und habe dabei 0,84 Tonnen CO2 eingespart, verglichen mit Autofahrten in einem durchschnittlichen Pkw (Quelle: https://uba.co2-rechner.de/de_DE/mobility-travel).
Neben dem kleinen Beitrag zum Klimaschutz habe ich bei all diesen Fahrten die Zeit auch deutlich sinnvoller genutzt. Im Zug nach Meran habe ich den Blick auf die imposante Bergwelt genossen, auf anderen Fahrten habe ich noch ein paar berufliche E-Mails versendet, in einem Buch geschmökert oder gemütlich einen Kaffee getrunken. Ab und zu hat das Bord Bistro nämlich auch geöffnet ;).
Meine Empfehlung an alle Bahn-Hasser da draußen: lasst euch vor der nächsten langen Autofahrt von Google mal die Fahrtzeit berechnen. Bei der Ankunft prüft ihr dann, ob ihr pünktlich angekommen seid und zwar auf die Minute pünktlich. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass dies in den seltensten Fällen so sein wird. Vielleicht kommt damit dann auch die nötige Gelassenheit, wenn die Bahn (mal wieder) verspätet ist.
