In einem Zug, auf einer Fähre die Straße von Messina überqueren – als ich zum ersten Mal von dieser Reisemöglichkeit gehört habe, wusste ich sofort: Das will ich mal erleben!
Anfang Oktober war es dann soweit. Ich wollte den Sommer auf Sizilien verlängern und dafür aber nicht das Flugzeug verwenden. Mein Reiseplan sah wie Folgt aus:
🚂 13:54 Uhr: Mit dem ICE von Frankfurt nach München…
⏳ Zeit verplempern am Bahnhof, da ich bei der DB immer lieber etwas mehr Puffer einplane
🚂 20:08 Uhr: Umstieg in den ÖBB Nightjet nach Mailand
👩💻 09:47 Uhr: Ankunft in Mailand. Anschließend arbeiten in einem (echt coolen) Coworking und die ersten Köstlichkeiten genießen 🍝🍧☕️
🚂 19:35 Uhr: Weiterfahrt im italienischen Schnellzug Frecciarossa nach Rom….
🚂 23:00 Uhr: Dort dann Umstieg in den Intercity Notte nach Palermo inklusive Fährfahrt ⛴️

Logistisch wäre es schlauer gewesen schon in Bologna auszusteigen, statt bis nach Mailand weiterzufahren. Da der Ausstieg in Bologna aber schon um kurz vor 6 Uhr gewesen wäre, war es für mich keine attraktive Option 😴
Neben der Zug-Fährfahrt gab es noch einen weiteren Grund für diese Reiseroute: die Mini Cabins in den neuen Nightjet Zügen. Auch diese standen schon seit einiger Zeit auf meiner „Unbedingt-ausprobieren-Liste“.
Soweit der Plan, hier kommt nun der Erfahrungsbericht:
Zur ICE Fahrt lässt sich nicht viel sagen, außer dass sie pünktlich war (erfreulich). Da ich BahnBonus Silber Kunde bin, ist es mir gestattet, die DB Lounges zu betreten. Dieses Privileg nutze ich durchaus gerne, nicht nur wegen der kostenfreien Getränke (😁) sondern auch weil man so dem Bahnhofs-Trubel etwas entkommt. Dort habe ich dann auch die Zeit verplempert bis die Abfahrtszeit des Nightjets näherrückte.
Am Bahnsteig passierte dann erst mal nicht viel, denn der Zug hatte rund 30 Minuten Verspätung. Was ich und andere Reisende etwas schaden fanden, war, dass es keinerlei Informationen zur Zugreihung am Bahnsteig gibt. Auf dem Ticket der ÖBB erfährt man zwar, in welchem Wagon sich das eigene Bett befindet, das hilft jedoch erst mal nicht viel, wenn man nicht weiß, wo man am Bahnsteig dann einsteigen soll. Definitiv optimierungsbedürftig und habe ich an die ÖBB bereits weitergegeben.

Auch der Einsteigeprozess ist optimierungsbedürftig. Als der Nightjet dann endlich eintrudelte, gabs erst mal dichtes Gedränge an den Türen und in den Gängen. Die Gänge sind unglaublich schmal, vor allem wenn man größeres Gepäck dabei hat. Zudem waren die Gepäckfächer der Mini Cabins zunächst verriegelt und es war nicht klar, wie man diese denn öffnen solle (Lösung: mit einer Key Card, die uns aber erst nach Abfahrt vom Schaffner ausgehändigt wurde…).
Im Zug gibt es auch Stauräume für größeres Gepäck, worüber man aber vorab nicht informiert wird (ich habe zumindest auf der Webseite nichts dazu gefunden). Meiner Meinung wäre es deutlich sinnvoller, wenn man alle Reisende mit großen Gepäck erst mal zu diesen Stauräumen leitet, das würde die Staugefahr in den Gängen deutlich minimieren. Beide Vorschläge habe ich ebenfalls an ÖBB weitergeleitet.

So, genug gemeckert, kommen wir zum Positiven: Die Mini Cabins haben mich grundsätzlich überzeugt! Die Matratze ist bequem, die Kabinen sind zwar eng, aber ich als 1,72 Frau fand den Platz ausreichend und hatte keine Platzangst. Von den Nachbarkabinen habe ich während der Nacht nichts mitbekommen, erst als die ersten Mitreisenden geweckt wurden, um sich auf den Ausstieg vorzubereiten. Aber das war auch „erst“ um 5 Uhr 🙃
Vor dem Ausstieg wird einem dann noch ein kleines Frühstück serviert, bestehend aus zwei Brötchen, Marmelade und Butter, sowie wahlweise Kaffee oder Tee.
Trotz verspäteter Abfahrt sind wir pünktlich in Mailand angekommen, der erste Teil der Reise hatte also schon mal gut geklappt!
So arbeiten Digital Nomads
Zu Fuß ging es dann zum YoRoom Coworking, ganz in der Nähe vom Bahnhof und das ist wirklich zu empfehlen! Es gibt genug Platz zum Arbeiten und es herrscht eine angenehme, geschäftige Atmosphäre. Gegen Mittag knurrte dann merklich der Magen – Pasta wollten gegessen werden – und die Wahl fiel auf Miscusi Pasta Fresca, die auf jeden Fall überzeugen konnten! 😋

Irgendwann am Nachmittag war es dann genug mit der Arbeiterei, ganz so gut hatte ich im rollenden Bett dann doch nicht geschlafen, und deshalb wurde der Laptop zugeklappt und dem Dom ein Besuch abgestattet.

Weiterfahrt nach Rom: Mehr Spannung als erwartet
Als Deutsche Bahn Geschädigte hatte ich so meine Zweifel, ob 30 Minuten Umsteigezeit in Rom reichen würden. Aber da ich letztes Jahr nur gute Erfahrungen mit den Frecciarossa Schnellzügen gemacht hatte – sie haben ja auch eigene Gleise und müssen nicht hinter Regionalzügen herbummeln – habe ich darauf vertraut, dass es schon klappen würde.
Leider hat an dem Tag das Zugpersonal gestreikt und so wurde die Fahrt doch etwas aufregender als gedacht 😅 aber mit gutem Ende! Nachdem anfangs noch alles pünktlich war, geriet die Fahrt ab Bologna ziemlich ins Stocken. Grund: Streikende befanden sich in Florenz auf den Gleisen….
Der 30 Minuten Puffer schrumpfte also dahin und dann kam von der Schaffnerin auf einmal auch noch die Info, dass der Nachtzug nach Palermo aufgrund des Streiks heute gar nicht fahren würde. Oh Schreck! Ich sah meinen schön ausgearbeiteten Plan sich schon in Luft auflösen, doch kurz vor der Ankunft in Rom kam dann auf einmal die Entwarnung: Doch der Zug fährt und er wartet auch auf Sie! Aber bitte beeilen Sie sich!
Gut, dass man das Rennen von der Deutschen Bahn ja schon gewohnt ist und so kam ich dann keuchend aber noch rechtzeitig im italienischen Nachtzug an.

Schaukelnd in Richtung Sizlien
Dank eines Super-Sparpreises hatte ich mir für die letzte Etappe ein Einzelabteil gebucht, in dem es sich doch noch um einiges komfortabler reisen lässt ☺️ Der Zug an sich ist aber eher von anno dazumal, was sich durch lautere Fahrtgeräusche und deutlich mehr Geschaukel bemerkbar macht.
Dafür wird einem dann morgens vom Schaffner ein echter Caffè aus einer Profimaschine serviert – mit was anderem braucht man Italienern wahrscheinlich auch nicht kommen 😊

Kurz nach dem Frühstück, so gegen halb 9 erreichen wir dann den Hafen von Villa San Giovanni und da wartete auch schon die Fähre, die uns über die Meerenge bringen würde.
Nach einigem Rangieren rollen wir dann ganz langsam auf die Fähre und ich sah staunend zu! Der Zug wurde vorher noch in zwei Teile geteilt – ein Teil würde später weiter nach Syrakus fahren und der andere nach Palermo.

Während der Fährfahrt kann man den Zug auch verlassen, was ich genutzt habe, um mal etwas frische Luft zu schnappen und noch ein paar Fotos zu schießen.
Aber so ganz geheuer war es mir nicht, mein Gepäck allein im Zug zu lassen, deshalb bin ich nach kurzer Zeit wieder zurückgekehrt und habe dort noch etwas im Bett geschlummert.

Letzte Etappe: Von Messina nach Palermo
In Messina angekommen hat es dann noch ein ganze Weile gedauert, bis der Zug seine Reise nach Palermo fortgesetzt hat. Irgendwann ging es dann aber los und es erwartete mich eine idyllische Fahrt entlang der Nordküste Siziliens, auf der man immer wieder einen Blick auf das tiefblaue Meer erhaschen konnte!
20 Minuten vor der offiziellen Ankunftszeit erreichen wir die Endstation Palermo Centrale und eine erlebnisreiche Reise war zu Ende!
Mein Fazit:
Auch wenn die Schlafqualität nicht berauschend war, was aber vor allem daran liegt, dass ich empfindlich gegenüber ungewohnten Geräuschen bin und zudem mit Ohropax nicht schlafen kann, würde ich diese Form der Anreise jederzeit wieder machen!
Ich liebe es mit dem Zug in den Urlaub zu reisen und finde es unglaublich entspannend. Gerade auf Nachtzugfahrten liegt immer so ein Gefühl von Abenteuer in der Luft, was alle Reisende zu einen scheint und diese Reiseart zu etwas Besonderem macht.
